Der grüne "Burger Green"- Wagen in der Johannisstraße: 

Das neue Gesicht einer Nutzpflanze -

Deutschlands erster Hanfburgerstand

 Ein komplett grüner Anhängerwagen mit einem riesigen Hanfburger auf der Rückseite. Wer einen Blick ins Innere erhascht, dem wird schnell klar, dass in diesem umfunktionierten Vehikel offenbar Essen zubereitet wird: Zu erkennen sind ein Backofen, eine große Herdplatte, ein Kühlschrank und eine Ablage, auf der sich auch zahlreiche Behälter mit Soßen finden.

 

Nicht jeder Passant widmet seine Aufmerksamkeit aber dem Inneren des Wagens – viele bleiben an der Lichterkette im Marihuana-Design, den Warnungen „Don't eat and drive“ und „Verzehr auf eigene Gefahr!“ oder der Speisekarte mit neugierig machenden Bezeichnungen wie „Mutter Natur“, „Purple Weed“ oder „Mellow Yellow“ hängen. Jedenfalls ist er ein absoluter Blickfang: der Imbisswagen „Burger Green“ in der Johannisstraße der Jenaer Innenstadt, den es mittlerweile seit etwa eineinhalb Jahren gibt.

 

Wer wissen will, was hinter dem Hanfwagen steckt, tut gut daran, den Namen zu übersetzen: Hier gibt es „grüne Burger“. Grüne Burger?! Richtig gehört. Weder Geflügel, Schweine-, Rind- oder Lammfleisch werden hier verarbeitet. Auch auf andere tierische Produkte wie Eier, Milch oder Butter wird verzichtet – stattdessen sind die Burger rein pflanzlich. Offenbar ist hinter der ungewöhnlichen Hülle des Imbissstands also noch einiges Sonderbares zu entdecken.

 

Nähert man sich dem Burger-Stand, wird man von verführerischem, aber überraschend dezentem Duft empfangen: Wer mit fettigem Geruch oder ölhaltiger Luft wie bei anderen Fast-Food-Imbissen rechnet, wird verwundert sein, wie erfrischend die nur schwer zu deutende Brise mit allerlei Nuancen aus dem kleinen Wagen weht. Ein Blick auf das schwarze Bord neben der Kasse, auf dem die Speisekarte in grüner und weißer Schrift zu finden ist, verrät dem unbeholfenen Gast, dass er es hier nicht mit einem McDonalds- oder Burger-King-Pendant zu tun hat: Es wird mit der Verwendung von Bio-Zutaten und dem Slogan „die gesunde handgemachte Alternative“ geworben. Daneben wird darauf hingewiesen, dass „ausschließlich mit hochwertigem Meersalz“ gekocht und auf „künstliche Aromen oder Geschmacksverstärker“ verzichtet wird.

 

Die Speisekarte erklärt zudem auch das ungewöhnliche Erscheinungsbild des Imbissstands, das einige Menschen eher an einen Coffeeshop in Amsterdam als an einen Burgerladen in Deutschland erinnern könnte: An erster Stelle findet sich hier der Punkt „Mutter Natur“, hinter dem „Hanfburger“ vermerkt ist. Auch wenn – oder gerade weil - vorbeischlendernde Passanten dem grünen Stand vereinzelt abwertende Blicke zuwerfen, als würden anstatt Buletten im Brötchen Drogen im Tütchen verkauft, ist es wichtig zu erwähnen, dass Hanf nicht gleich Hanf und schon gar nicht mit Marihuana gleichzusetzen ist.

Das erklärt auch der „Burger Green“-Gründer Markus B., der an diesem windigen Herbsttag die Gäste bedient und die belegten Brötchen zubereitet: Auch wenn gesund, grün, Hanf, vegan und Cannabis für ihn nicht voneinander trennbare Stichwörter sind, ist es sein wichtigstes Anliegen, Akzeptanz für THC-freien Hanf als Nutzpflanze und nicht als Droge zu schaffen. Fasziniert erzählt er davon, wofür der Hanf, eine der ältesten Kulturpflanzen der Menschheitsgeschichte, alles verwendet werden könne: Mit ihm sei es möglich, Papier aus Holz zu ersetzen, Autos zu betreiben oder Dämmmaterial für Häuser herzustellen. Mindestens genauso viel Wichtigkeit misst der gelernte Koch mit 15 Jahren Berufserfahrung aber der Pflanze als Lebensmittel bei: Hanf sei eines der gesündesten Nahrungsmittel, die man in der Natur finden könne. Es liefere nicht nur jede Menge Eiweiß und Antioxidantien, sondern auch Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren im für den Menschen perfekten Verhältnis (3,75 zu 1) sowie alle acht essentiellen Aminosäuren, die der menschliche Organismus benötigt.

 

Im Gespräch wird schnell klar, dass Markus die Thematik ganzheitlich betrachtet: Gesundheit, Moral, Ökologie und Ökonomie hängen für ihn zusammen. So erwähnt er ebenfalls, dass Nutzhanf gegenüber anderen Pflanzen noch weitere Vorteile hat: Der Hanf sei so anspruchslos und widerstandsfähig, dass er weder Pestizide noch viel Pflege bedürfe und auf nahezu jedem Boden wachse. Zudem liefere er bei gleicher Nutzfläche etwa vier- bis fünfmal mehr Papier als Holz und zwei- bis dreimal so viel Fasern wie Baumwolle.

Wenn der Koch so leidenschaftlich von der Nutz- und Kulturpflanze erzählt, ertappt sich der eine oder andere Gast schnell dabei, wie er von der Euphorie mitgerissen wird. So erzählt ein Kunde, der nach eigenen Aussagen jede Woche einen „grünen Burger“ isst, wie begeistert er nach dem letzten Gespräch mit Markus seinen Freunden davon berichtete, dass ein erwachsener Mann mit einer Handvoll Hanfsamen am Tag überleben könne. Dass der „Burger Green“-Gründervater Menschen so gut mitreißen kann, liegt wohl an seiner authentischen Art: Er scheint fest von den positiven Aspekten des Hanfs überzeugt, die er in der Pflanze sieht.

 

Dabei seien auch die medizinischen Anwendungsmöglichkeiten wie etwa als Schmerzmittel nicht zu vergessen. Dass man Schwerkranken diese natürliche und effiziente Medizin verweigert, sehe er als menschenverachtend an. Allerdings, so betont er, sei dies „nochmal ein ganz anderes Kapitel“ - ebenso wie Cannabis als Rauschmittel. Er wolle mit seinem Burger-Stand weder für die Legalisierung von Marihuana als Droge werben – Stattdessen möchte er „die Pflanze ins rechte Licht rücken“ und „auf die zahlreichen Möglichkeiten des Hanfs als Nutzpflanze und Lebensmittel aufmerksam machen“.

 

Außerdem sieht er in der veganen Lebensweise, die er mit seinem Burger-Projekt ebenfalls massentauglich machen will, zahlreiche Vorteile: So leide durch den weltweiten Fleischkonsum nicht nur die Umwelt enorm, sondern auch die Tiere und wir Menschen selbst. Allen Skeptikern, die sich keinen „leckeren Burger ohne Fleisch“ vorstellen können, entgegnet er: „Iss es einmal und du wirst sehen, du wirst nichts vermissen“. Dabei könnte das breit gefächerte Burger-Sortiment tatsächlich fast jeden Geschmack abdecken: So gibt es beim Imbissstand auch Tofu-, Kidney-, Kraut- und Polentaburger, die ebenfalls gänzlich pflanzlich sind – ebenso wie die acht Soßen, von denen zwei zu jedem Burger bestellt werden können. Diesen wurden genauso wie den Buletten besondere Namen verpasst, die ganz im modernen Stil des Burger-Stands sind: So gibt es etwa die süß-saure „Mango Tango“-, die scharfe „Red Dragon“- oder die „Golden Cream“-Soße, die Erdnuss und Kokosmilch enthält.

Diese findet man nach der Zubereitung samt veganer Bulette in Mitten von Gurke, Tomate, Eisbergsalat, saurer Gurke und Zwiebel wieder – umhüllt von einem Vollkorn Brötchen, je nach Wahl. Zusammen ergibt das ein Gesamtpaket, das die Gäste als genauso stimmig wie abwechslungsreich beschreiben. Jeder Stammkunde hat seinen Lieblingsburger sowie seine favorisierte Kombi aus zwei Soßen. Aber auch hinterm Tresen lässt man es sich schmecken: So essen Markus und seine Festangestellten Jonny und Seb nach eigenen Aussagen selbst mindestens einen ihrer grünen Burger pro Tag.

Autor: wissensrevolution.de

 

Herzlichen Dank dafür!!!